• Manuel

Ein Wochenende in... Hongkong

Aktualisiert: Juni 16

Bis 2015 war meine einzige Asien-Erfahrung die Flughäfen Colombo und Malé (das Hotel auf den Malediven zählt irgendwie nicht). Zum Einstieg in den Fernen Osten war Hongkong ein perfektes Reiseziel.


Eines Tages meldete sich Emil, einer meiner besten Freunde, bei mir mit den Worten: "Hey, ich bin Ende des Jahres bei meiner Familie in Australien und dachte, wir könnten uns auf dem Rückweg irgendwo treffen, ein paar Tage uns etwas anschauen und dann zusammen zurück nach Deutschland fliegen." Geniale Idee, dachte ich, schließlich bieten sich von Australien aus ja einige Städte an: Singapur, Kuala Lumpur, Hongkong, Bangkok oder eine der großen dreieinhalb Städte im Sandkasten. Unsere Wahl fiel auf Hongkong, zumal Emil aufgrund seiner regelmäßigen Reisen nach Down-Under Singapur auswendig kennt und etwas Abwechslung nicht schaden kann.



Abflug und kurzer Schreck


Mein Bürotag ist etwas länger, denn ich fahre direkt aus dem Büro an den Flughafen. Der Flug geht um 22.15 Uhr und um diese Uhrzeit ist an der Sicherheitskontrolle nichts mehr los. Tatsächlich bin ich der einzige Passagier und nach nicht einmal 5 Minuten bin ich durch. Toll, so schnell sollte es doch immer sein! Ich habe sogar noch Zeit für eine Hopfenkaltschale in der Nähe vom Gate, bevor das Boarding beginnt.


Die entspannte Ruhe findet aufgrund einer WhatsApp von Emil ein jähes Ende. Er steht zur selben Zeit am Check-in in Sydney und darf nicht nach Hongkong fliegen, da er kein Ticket für einen Weiterflug vorzeigen kann und es scheinbar Internetprobleme in Down-Under gibt. Nach einigem Hin und Her und etwas Schützenhilfe konnte er dann doch noch ein Ticket ergattern und den Flug in Richtung Hongkong antreten. Bei mir begann kurz darauf ebenfalls das Boarding.



Nachdem der Flieger enteist wurde sind wir pünktlich um 23.00 Uhr, knapp bevor das Nachtflugverbot in Kraft tritt, in Richtung Osten abgeflogen. 11.30 Stunden Flugzeit liegen vor mir. Genug Zeit um an Bord etwas zu essen, mir den mandatorischen Gin & Tonic zu gönnen und eine Mütze Schlaf zu nehmen.



Tag 1: Ankunft in Hongkong und erste Eindrücke


Am späten Nachmittag Hongkonger Ortszeit landen wir auf dem "neuen" Flughafen Chek Lap Kok. Hier wird es schon fast wieder dunkel. Schnell geht es durch die Immigration und ans Gepäckband. Emil wartet direkt nach dem Ausgang im öffentlichen Terminalbereich. Sein Flug aus Sydney ist 40 Minuten vor meinem gelandet. Das nenne ich mal Timing! Gemeinsam fahren wir mit dem Schnellzug vom Flughafen in die Innenstadt und nehmen uns noch ein Taxi bis ans Hotel in Mongkok. Eine kurze, heiße Dusche später geht es raus ins Getümmel. Der Körper braucht Nahrung.


Der erste Eindruck von Hongkong: Viele Menschen, großes Gewusel, überall fremde Schriftzeichen, die britische Vergangenheit erkennt man hier im Norden von Hongkong (Kowloon) erstmal nicht. Dazu ist es kälter, aber wesentlich sauberer, als gedacht. Könnte spannend werden hier!


In der Portland Street finden wir ein kleines, lokales Restaurant. Natürlich haben wir noch die Warnungen der anderen Reisenden und Freunde bzgl. der lokalen (Gar-)Küchen im Ohr. Eine Magenverstimmung am ersten Tag wäre natürlich auch nicht der beste Start. Dennoch entscheiden wir uns für das Restaurant und finalisieren unsere Reiseplanung für die kommenden drei Tage. No risk no fun! Auf dem Programm stehen:

  • Hongkong Stadtkern (Kowloon und Hongkong Island)

  • Victoria Peak

  • Lantau inkl. Tai-O

  • Macau



Wir vertreten uns nach dem Essen noch etwas die Füße und dann ist der Tag auch schon wieder vorüber. Es geht früh raus am nächsten Morgen!



Tag 2: Lantau & Macau


Wir nehmen die Bahn in Richtung Lantau Island und steigen bei "Tung Chung" aus - eine Haltestelle vor dem Airport. Leider sind wir schon so spät, daß die Schlange vor der Seilbahn zum Tian Tan Buddha sehr lang ist, zu lang für uns. Wir entscheiden uns deshalb den Bus Nummer 11 ins Fischerdorf Tai-O zu nehmen, um uns dort die Stelzenhäuser anzuschauen. Die Busfahrt dauert etwas über eine Stunde und wir sind die einzigen "Weißnasen" im Bus. Aus der Ferne sehen wir den Buddha und imposante Häuser auf dem Weg nach Tai-O.



Leider ist das Wetter an diesem Tag nicht so gut. Tai-O empfängt uns mit einem lebensbejahenden Grau. Wahrscheinlich ist es das Wetter in Kombination mit dem Jetlag und dem allgegenwärtigen Geruch von getrocknetem Fisch, weshalb Tai-O nicht zum Highlight wurde. Hingegen war die Shaolin-Schule sehr interessant. Auch hier wirkt das Dorf sehr aufgeräumt und sauber. Die lokalen Behörden scheinen aber auch bei Verstößen gegen Hygienevorschriften nicht lange rum zu fackeln.


Nachdem wir das Dorf erkundet haben, haben wir uns auch aufgrund des Wetters entschlossen den Rückweg nach Hongkong anzutreten und uns stattdessen unterwegs etwas zu Essen zu jagen. Den Geruch von getrocknetem Fisch bekommt man sehr lange nicht mehr aus der Nase. Mir war die Lust nach Meeresgetier erst einmal vergangen. Ich entschied mich deshalb für ein paar Nudeln mit Fleisch (was dann auch nach Fisch gerochen hatte). Allerdings war auch das Fleisch (oder Fisch?) getrocknet. Durch den Wasserdampf zog sich das tierische Produkt auf den Nudeln wieder zusammen. Halb im Jetlag musste ich Emil ernsthaft fragen, ob ich gerade halluziniere oder, ob sich das Fleisch gerade wirklich bewegen würde. In China weiß man ja nie...



Ich muss zugeben, das Essen war gar nicht mal so lecker. Es könnte aber auch an den gesamten Umständen gelegen haben.


Für uns ging es nach nach dem Essen nach Macau (Wichtig: Reisepass mitnehmen, man reist nämlich offiziell aus Hongkong aus!). Zunächst ging es mit der Metro nach Hongkong Island und von dort auf die Fähre (Tragflächenboot). Die Überfahrt dauert gut eine Stunde und auch hier waren wir wieder die einzigen Weißnasen, umringt von Locals. Locals, die vollbepackt bis unter die Zähne mit Zeugs und Krams waren. Beim Boarding wurden auch ohne Vorwarnung alle Hemmungen und Freundlichkeiten fallengelassen und es zählte Ellenbogenmentalität. Nunja, das kennen wir ja aus Deutschland und darin sind wir auch sehr gut, zumal der gemeine Chinese jetzt nicht wirklich groß gewachsen ist. Die Rache für die Locals kam dann auch recht schnell. Wie sich herausstellte, waren eine Vielzahl der Mitreisenden nicht seefest (wobei man auf dem Tragflächenboot kaum Wellengang spürte). Ich habe noch nie so viele Menschen reihern gesehen und gehört wie an diesem Abend.



Wir nahmen uns ein Taxi vom Hafen zum MGM Macau und konnte im Dunklen ein wenig von Macau sehen. Wer schon einmal in Las Vegas war, für den sind die Casinos in Macau enttäuschend, zumindest empfand ich das so. Der gemeine Chinese spielt nämlich nicht um Spaß zu haben, sondern um zu gewinnen. Darum wird auch Tee und kein Alkohol getrunken - Wettspiel scheint ein ernsthafter Sport zu sein. Dazu war es in den Casinos gespenstisch leer. Die Einrichtung - gerade das Venetian - sah dem Original in Las Vegas nahezu identisch aus, die Stimmung ist aber eine komplett andere gewesen.


Auch beim Fotografieren in den Casinos verstehen die Menschen hier kein Spaß. Unwissend habe ich ein Foto im Casino machen wollen. Eine junge Croupier hatte mich dabei beobachtet und mein Vergehen direkt per Headset der Security gemeldet. Nach nicht einmal einer Minute hatte ich dann auch zwei freundliche Herren neben mir stehen und ich musste das Foto vor ihren Augen löschen. Die hellsten Kerzen auf dem Adventskranz waren sie dennoch nicht, fünf Minuten später habe ich das Foto aus dem Papierkorb wiederhergestellt (wahrscheinlich darf ich nun nie wieder in Macau einreisen). Here we go - wie konnte ich nur die Unsummen an Überwachungskameras an der Decke übersehen?


Ups

Macau konnte die Erwartungen an ein zweites Las Vegas leider nicht ganz erfüllen, dennoch würde ich mir die Stadt noch einmal anschauen - wenn ich überhaupt noch einmal einreisen darf. Nachdem wir uns das MGM und das Venetian angeschaut, uns noch draußen ein wenig die Füße vertreten haben, fuhren wir wieder zum Hafen und nahmen das nächste Schnellboot zurück nach Hongkong. Diesmal ohne viele Passagiere und mit einem gemütlichen Boarding. Zurück in Hongkong waren wir allerdings so spät, daß es schwierig wurde ein Taxi nach Kowloon zu bekommen.



Tag 3: Hongkong Island & Victoria Peak


Nachdem wir vergangene Nacht sehr spät zurück gekommen sind, haben wir etwas länger geschlafen und in der angrenzenden Langham Shopping Mall gefrühstückt. Im Anschluss ging es mit der U-Bahn nach Hongkong Island.



Wir stiegen in "Tin Hau" aus und warfen einen Blick in den Victoria Park. Der Park an sich ist ganz nett, wenn auch kein Highlight, weshalb es uns in die Gegend von Causeway Bay und Happy Valley zog. Rund um die Haltestelle Causway Bay sind diverse Geschäfte und Shopping Malls. Aufgrund der Architektur fühlt man sich hier wie fast wie in Singapur oder New York. Auch hier gibt es einen "Times Square" allerdings ist der Hongkonger Times Square eine große Shopping-Mall. Im Anschluss liefen wir noch an der Pferderennbahn (Happy Valley Racecourse) vorbei und genehmigten uns in einer kleinen Bar mit französischen Besitzer ein isotonisches Kaltgetränk (mit Schaum!).


Nach dieser kleinen Stärkung ging es mit der doppelstöckigen Straßenbahn wieder in Richtung Westen, denn wir wollten noch auf den Victoria Peak wandern.



Nächster Stopp: "Central"; von Central aus gehen die "Central Mid-Levels Escaltors" in Richtung Victoria Peak. Die Rolltreppen (20 Stück in Reihe geschaltet) sind in Summe 800 Meter lang und überwinden 135 Höhenmeter. Man sollte aufpassen zu welcher Uhrzeit man nach oben möchte, denn die Richtung wird tageweise geändert: Von 06.00 Uhr bis 10.00 Uhr morgens fährt die Rolltreppe nach unten, danach bis 24.00 Uhr nach oben.


Mir persönlich hat die Gegend hier mit am Besten gefallen. Neben den Rolltreppen und dem dazugehörigen Gehweg sind viele kleine Pubs. Gerade am Abend lässt es sich hier im Freien aushalten. Die britische Vergangenheit ist hier allgegenwärtig.


Am Ende der Rolltreppen erwartete uns noch ein Fußmarsch zum Victoria Peak (ca. 45 Minuten, wenn ich mich recht erinnere). Der Anstieg ist stellenweise steil, d.h. man sollte nicht ganz unsportlich sein. Wir erreichten den Victoria Peak nach einer schönen Wanderung durchs Grün kurz vor Sonnenuntergang. Perfekte Zeit, um ein paar Fotos von Hongkong zu machen.



Auf dem Rückweg legen wir noch einen Halt in einer Rooftop Bar auf der IFC-Mall ein und lassen den Tag ausklingen.



Tag 4: Kowloon & Abschied


Nach 2,5 langen Tagen lassen wir es am letzten Tag gemütlich angehen und schauen uns die Gegend um Kowloon an, statten den Märkten noch einen Besuch ab und begutachten allerlei chinesische Kopien von bekannten Marken. Interessant war auch ein Blick in das Mongkok Computer Centre. Das Centre besteht aus unzähligen, kleinen, aber bis oben hin mit Computerzubehör vollgestopften, Geschäften. Man sieht darin den Wald vor lauter Bäumen nicht.





Wir nutzen noch einmal den Dachpool unseres Hotels und fahren noch einmal nach Hongkong Island. Ziel ist die Sugar Bar, eine weitere Rooftop-Bar und die Empfehlung eines Kollegen. Die Aussicht auf Kowloon ist wirklich toll. Dazu sieht man auch noch die Überbleibsel des alten, berühmt, berüchtigten Kai Tak Airport. Unfassbar, daß die Flugzeuge damals so knapp über die Häuser zur Landung angesetzt haben. Nach unserem letzten Kaltgetränk in Hongkong machen wir uns langsam zurück ans Hotel, holen unsere sieben Sachen und fahren zurück an den Flughafen. Check-in, Security, Boarding, alles wie gehabt. Nach 12 Stunden landet die dicke Hummel am frühen Morgen wieder mit uns in Frankfurt.



Gedanken zum Schluss: Was würde ich anders machen?


Im Nachhinein erscheint das Programm an drei Tagen mörderisch. Tatsächlich ist uns das während der Zeit in Hongkong nicht so vorgekommen. Dennoch würde ich Mehr Zeit und/oder weniger Programmpunkte an einem Wochenende zukünftig machen.


Für Macau würde ich mehr Zeit einplanen, auch wenn Macau Las Vegas nicht das Wasser reichen kann. Gerade die portugiesische Vergangenheit würde mich nochmal interessieren und Macau bei Tageslicht wäre sicherlich auch mal ganz nett.


Auch für Lantau würde ich mehr Zeit einplanen. Unter anderem um zum großen Buddha zu fahren und den Wanderweg an der Küste bei Tai-O zu machen.


Kowloon ist chinesischer geprägt als der südliche Teil (Hongkong Island) der Stadt. Beim nächsten Mal würde ich wahrscheinlich ein Hotel auf Hongkong Island nehmen. Hier ist es gefühlt etwas ruhiger, es gibt Parks und tolle Pubs. Tagestrips bzw. Abendausflüge nach Kowloon reichen mir auch.


Beim nächsten Mal würde ich noch ein paar Tage an einem der vielen Strände außerhalb von Hongkong oder auf Lantau Island einplanen.


Insgesamt ist Hongkong eine Reise wert und ich würde jederzeit wieder in diese tolle Stadt fliegen, gerade jetzt, mit ein wenig Abstand.


Das Wichtigste zum Schluss: Vielen Dank an Andreas R. für die vielen, unzähligen Reisetipps und für die Hotelempfehlung! Die Vorabinformationen waren Gold wert! Auch herzlichen Dank an Michael J. für den Tipp, daß wir dem "Sugar" einen Besuch abstatten sollten.


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